Physiologische Veränderungen des Ohrs im Alter
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Beschaffenheit unseres Körpers – auch im Gehörgang:
- Zäheres, trockeneres Cerumen: Die Talg- und Ceruminaldrüsen produzieren weniger wässrig-ölige Anteile. Das Ohrenschmalz verliert Feuchtigkeit, wird krümeliger, härter und haftet fester an der Gehörgangswand.
- Verlangsamter Zelltransport: Die natürliche Wanderung der Hautzellen nach außen verlangsamt sich. Sekrete bleiben länger im Gehörgang liegen.
- Stärkere Behaarung: Besonders bei älteren Männern wachsen kräftigere Haare (Tragi) am Eingang des Gehörgangs, die austretendes Cerumen wie ein Sieb abfangen und verklumpen können.
- Schlafferes Knorpelgewebe: Der Gehörgang kann durch den Elastizitätsverlust des Knorpels schmaler werden, was den Abtransport zusätzlich erschwert.
Die Gefahr der scheinbaren Altersschwerhörigkeit
Nicht selten bemerken Senioren oder deren Angehörige, dass Gesprächen am Tisch oder dem Fernseher schlechter gefolgt werden kann. Häufig wird vorschnell eine irreversible Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) vermutet. In erstaunlich vielen Fällen ist die Ursache jedoch banal: Ein harter Schmalzpfropf hat den Gehörgang luftdicht verschlossen.
Wird dieser Pfropf fachärztlich entfernt, verbessert sich das Hörvermögen von einer Sekunde auf die andere drastisch. Deshalb sollte vor jeder Hörgeräte-Neuversorgung oder Verzweiflung über Hörverluste eine gründliche Otoskopie (Ohrenspiegelung) erfolgen.
Praktische Tipps für Senioren und pflegende Angehörige
Regelmäßige Sichtkontrolle der Ohrmuschel
Pflegende Angehörige sollten beim morgendlichen Waschen auf Rötungen hinter dem Ohr oder sichtbare Schmalzränder achten. Ein weicher Waschlappen mit warmem Wasser reicht zur Reinigung völlig aus.
Hörgeräte täglich inspizieren
Prüfen Sie Otoplastik und Filter täglich. Ein verstopfter Cerumenfilter ist der häufigste Grund dafür, dass Hörgeräte leiser werden oder pfeifen (Rückkopplung).
Feste Routine-Termine beim HNO-Arzt vereinbaren
Für Senioren, die Hörgeräte tragen oder zu trockenen Pfropfen neigen, empfiehlt sich ein fester Kontrolltermin alle vier bis sechs Monate zur professionellen Reinigung. Dies beugt schmerzhaften Entzündungen wirksam vor.
Wenn die Hände durch Arthrose oder Tremor zittern, ist der Griff zu Werkzeugen am Ohr besonders riskant. Überlassen Sie die Pflege des Gehörgangs vollständig dem Fachpersonal – zu Ihrer eigenen Sicherheit.