Warum bleibt Wasser überhaupt im Gehörgang stecken?
Wasser besitzt eine beachtliche Oberflächenspannung. Im engen Gehörgang bildet ein Wassertropfen oft eine zusammenhängende Barriere zwischen den gegenüberliegenden Hautwänden. Wie bei einer feinen Pipette kann die Luft hinter dem Wassertropfen nicht entweichen – der Tropfen ist förmlich „eingeklemmt“.
Hektische Versuche, mit dem Zeigefinger oder einem Wattestäbchen nachzuhelfen, bewirken meist das Gegenteil: Der Wassertropfen wird noch tiefer an das Trommelfell gedrückt, oder vorhandenes Cerumen quillt durch die Feuchtigkeit auf und verschließt den Gang endgültig.
Vier sichere physikalische Methoden
Methode 1: Der Schwerkraft-Neigetrick
Legen Sie den Kopf zur Seite, sodass das betroffene Ohr exakt nach unten zum Boden zeigt. Hüpfen Sie nun vorsichtig auf einem Bein (auf der Seite des betroffenen Ohrs). Oft reicht dieser kleine Stoßimpuls aus, um den Tropfen in Bewegung zu bringen, sodass er schlagartig herausfließt.
Methode 2: Das sanfte Vakuum-Prinzip
Neigen Sie den Kopf zur Seite. Legen Sie Ihre flache Handinnenfläche fest auf das betroffene Ohr, sodass ein dichter Kontakt entsteht. Drücken Sie die Handfläche leicht an und ziehen Sie sie dann rasch, aber behutsam wieder weg (wie ein kleiner Saugnapf). Die minimale Druckveränderung bricht die Oberflächenspannung des Wassers.
Methode 3: Begradigung durch Zug am Ohrläppchen
Fassen Sie mit Daumen und Zeigefinger an Ihr Ohrläppchen und ziehen Sie es sanft nach schräg unten-hinten. Gleichzeitig öffnen und schließen Sie den Mund, als würden Sie gähnen oder kauen. Die Bewegung des Kiefergelenks massiert den vorderen Teil des Gehörgangs und erleichtert das Ablaufen.
Methode 4: Der Kapillareffekt an der Ohrmuschel
Rollen Sie die Ecke eines sauberen Papiertaschentuchs zu einer weichen Spitze. Halten Sie diese Spitze ausschließlich an die äußere Eingangsöffnung des Gehörgangs – niemals tief hineinschieben! Sobald der Papierstoff den Wasserrand berührt, saugt die Kapillarkraft die Flüssigkeit sanft heraus.
Manchmal wird geraten, das Ohr mit einem Föhn trocken zu blasen. Wenn überhaupt, darf ein Föhn nur auf kältester Stufe und mit mindestens 30 cm Abstand kurz verwendet werden. Heiße Föhnluft trocknet die Haut extrem aus, kann Verbrennungen verursachen und das Gehör durch den Motorlärm belasten. Wattestäbchen sind strikt verboten, da sie das Wasser nur tiefer hineinschieben.
Wann steckt mehr dahinter?
Wenn das taube, verstopfte Gefühl auch nach 24 bis 48 Stunden nicht verschwindet, liegt meist kein reines Wasser mehr vor, sondern ein durch die Nässe aufgequollener Ohrenschmalzpfropf. Treten zusätzlich pochende Schmerzen, Rötungen der Ohrmuschel oder Ausfluss auf, liegt der Verdacht auf eine beginnende Gehörgangsentzündung nahe. In diesem Fall sollte zeitnah eine HNO-Facharztpraxis aufgesucht werden.